Cas Holmes: The Found Object in Textile Art

 

Gehören Sie auch zum Typ Sammler? Können Sie sich von Dingen wie z.B. alten Textilien und Spitzen, Briefen, Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitten, schönem Papier oder Büchern nur schlecht trennen? Bewahren Sie solcherlei für eine etwaige spätere Verwendung auf? Dann sind Sie hier richtig.

 

„I collect.“ Mit diesem Bekenntnis beginnt die renommierte britische Textilkünstlerin Cas Holmes ihr Buch mit dem Titel „The Found Object in Textile Art“. Sie tut dies aus verschiedenen Gründen. Diese kostbaren Dinge sind vielleicht einfach zu schön oder interessant, rufen ein beinahe archäologisches Interesse hervor, wenn diesen Artefakten nachgespürt wird oder werden aus Gründen des Umweltschutzes oder als Statement gegen die gedankenlose Wegwerfgesellschaft wiederverwendet. Weiter ins Kalkül zu ziehen ist auch, dass auf diese Weise industriell gefertigte Massenprodukte, wie z.B. Plastiktüten oder bedruckte Stoffe, in handgefertigte, einzigartige und mit individueller Bedeutung versehene Stücke verwandelt werden.

 

Solche „Fundsachen“ können das gewisse Etwas einer Arbeit sein und Cas Holmes zeigt, worauf es dabei ankommt. Grundsätzlich finden Papier und / oder Stoff Verwendung. Nachdem mehrere Schichten und Lagen aufgebaut worden sind, werden diese wieder zerrissen und zerschnitten, um daraus Neues zu schaffen. Die dabei zum Einsatz kommenden, technisch eher anspruchslosen, einfachen Methoden und Materialien stellt die Autorin nach und nach vor. Dies geht von Farben und Färbemitteln über einfaches Drucken (z.B. mit Hilfe von Fundstücken), Schablonieren und Bemalen bis hin zu Transfers von Bildern und Texten und regt zu weiterem Experimentieren an. Speziell Papier wird durch die japanische Momigami-Methode durch Knüllen nicht nur in seiner Oberflächenstruktur verändert, sondern nimmt sogar einen stoffähnlichen Charakter an. Dann wird geschichtet, in allen möglichen Variationen gestickt, wieder getrennt und, zu neuen zwei- oder dreidimensionalen Objekten zusammengefügt, originell präsentiert.

 

All das wird von vielen exzellent fotografierten Beispielen illustriert, eine Inspiration jagt die nächste. Denn ein einfaches Nachmachen ist weder angebracht noch leicht möglich. Einmalige Fundstücke sind dafür der Grund. Mit ihnen steht und fällt so manches, von der Grundidee des Werkes angefangen bis hin zum Endergebnis. Aber alleine „magpie minded“ zu sein, reicht noch nicht. Die englische Vokabel „magpie“ bezeichnet übrigens außer dem Vogel Elster auch jemanden mit der Liebe zum Sammeln und Aufbewahren. Das ist erst eine Voraussetzung, neben den Dingen wie dem Einsatz von Skizzenbuch und Kamera, um Ideen festzuhalten und zu entwickeln und dem gekonnten Umgang mit den Elementen des Designs, wie z.B. Linie, Form, Farbe usw., um eine ansprechende Gestaltung zu erreichen. Die Autorin rundet mit ihren Ausführungen dazu die insgesamt 128 Seiten ab.

 

Das Buch beinhaltet eine bemerkenswerte Vielfalt von Beispielen und gibt dadurch Anstöße zum eigenen Tätigwerden. Cas Holmes, die für ihre Art zu arbeiten schon seit Jahren bekannt ist, regt den Leser dazu an, alltägliche Dinge mit anderen Augen zu betrachten, vielleicht mit den Augen eines Künstlers. Sie regt dazu an, auf spielerische Weise mit den Dingen und Techniken zu experimentieren, ausgetretene Pfade zu verlassen und sich einfach mal darauf einzulassen, zu sehen, was passiert. Wer schon immer in dieser Art etwas ausprobieren wollte oder damit schon angefangen hat, ist hier wirklich richtig und fühlt sich mit der Fülle der gezeigten Beispiele richtig wohl. Dann spielt mangelndes englisches Leseverständnis auch eine eher untergeordnete Rolle, denn viele der Fotos sprechen für sich.

 

Cas Holmes: The Found Object in Textile Art, Batsford / Anova, London 2010, ISBN: 978-1-906388-46-1, ca 24 EUR

 

 

 

 

 

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Taschenbuchausgabe: Interweave Press, Loveland, CO 2010, ISBN: 978-1-59668-332-7, ca. 19 EUR

 

 

 

 

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